Der Anschlag auf die französische Satirezeitung „Charlie Hebdo“ hat unsere Gesellschaft insgesamt zum Nachdenken über den Wert der Pressefreiheit und den Journalismus angeregt. Eine gelebte Kultur der Meinungspluralität muss aber auch trainiert und erklärt werden. Die Fachhochschule des Mittelstands (FHM) lädt deshalb alle Schülerzeitungsredakteure zu einem Workshop ein. 

 

Zahlreiche Vertreter der Zivilgesellschaft haben in den vergangenen Tagen als Reaktion auf den Terrorangriff in Frankreich eindringlich die Relevanz der Pressefreiheit betont. Klar ist: Journalisten tragen durch Kommentare und Hintergrundberichte zur Reflexion über unsere zivilen Standards bei und sind in ihrer unabhängigen Funktion als kritischer Beobachter der Gesellschaft ein relevanter Baustein für eine pluralistische Zivilgesellschaft. Für den Journalismusforscher Prof. Dr. Marcus Bölz ist es wichtig, es nach dem terroristischen Angriff auf die Pressefreiheit in Paris nicht mit Lippenbekenntnissen rund um das Thema bewenden zu lassen sondern generell eine Debatte um den Wert des Journalismus für unsere Gesellschaft zu führen.

Denn welche Institution neben der Öffentlichkeit, die professionelle Journalisten unabhängig herstellen, existiert in unserer Gesellschaft, die uns die wachsende Komplexität der Zusammenhänge, Herausforderungen und Veränderungen nachvollziehbar und anschaulich erklärt, einordnet und bewertet? „Gerade die Digitalisierung führt zu einer Art medialem Cocooning großer Teile unserer Gesellschaft. Menschen schaffen sich verstärkt mediale Umgebungen, die nur an ihrem spezifischen Lebensstil oder Meinungsklima ausgerichtet sind. Relevante gesellschaftliche Informationen dringen nach meiner Wahrnehmung – trotz einem durchschnittlichen täglichen Medienkonsum von acht bis neun Stunden – vor lauter Eskapismus immer seltener in die Köpfe und Herzen der Menschen durch“, so Bölz, der sich fragt: „Sind wir eine Gesellschaft, die sich durch Fakten nicht mehr irritieren lassen möchte?“  Aus seiner Sicht ist eine unabhängige Öffentlichkeit, mit allen diskussionswürdigen Schwächen und Vorzügen, eine zentrale Errungenschaft unseres Gemeinwesens, die verteidigt und seriös finanziert sein will. Das zeigt nicht nur der Anschlag auf „Charlie Hebdo“. Das zeigen auch extremistische Schmierereien an den Außenwänden deutscher Lokalredaktionen oder das Verunglimpfen von Journalisten - die diskussionswürdige Weltbilder kritisieren - mit dem Begriff der „Lügenpresse“.  

„Wo lernen Menschen zuerst den Wert einer pluralistischen Gesellschaft im Kleinen kennen? In der Familie – und dann in der Schule. Deshalb ist es wichtig, Schülerzeitungen als Keimzelle zu begreifen, wo Menschen mit der Relevanz der Pressefreiheit in einem ersten Schritt konfrontiert werden“, sagt Bölz und schätzt aus diesem Grund den Stellenwert von Schülerzeitungen und weiteren medienpädagogischen Angeboten  hoch ein: „Wenn junge Menschen sich durch ihre redaktionelle Arbeit – zumeist in Ihrer Freizeit –  engagieren, dann sollte dies auch honoriert werden.“ Deshalb lädt er alle niedersächsischen Schülerzeitungsredakteure am Samstag, den 28. März 2015, um 10 Uhr in die Fachhochschule des Mittelstands zu einem Workshop mit dem Titel: „Warum braucht die Gesellschaft Journalisten?“ ein.

„Uns ist es wichtig, diese jungen Menschen in ihrer Aufgabe als Schülerzeitungsredakteur mit Wissen zu unterstützen. Deshalb freuen wir uns auf den 28. März und auf jeden Interessierten, der den Weg zu uns in die Lister Straße 18 aufnimmt.“

 

PS: Für interessierte Schüler und Lehrer: Anmeldungen bitte via E-Mail an Caroline Bultmann (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!), die Ihnen die genauen Kontaktdaten und Anreisepläne via E-Mail zukommen lassen kann.